Die Diesellok BR V 22 wurde die Achsformel B angewendet. Bei der Achsformel B kommen zwei im Hauptrahmen angetriebene Achsen zum Einsatz.

Die Diesellok BR V 22 ist eine leistungsgesteigerte Version der V 15 und wurde von der Deutschen Reichsbahn entwickelt. Die Diesellok BR V 22 wurde später als Baureihe V 23 eingereiht.

Anfang der fünfziger Jahre wurden Kleinlokomotiven der Leistungsklasse II (Kö II, Köf II und N 4), zur Deckung des kriegsbedingten Lokomotivmangels, neu gebaut. Auch eine leichte Rangierlok mit einer Leistung von 110 – 132 kW (150 – 180 PS) wurde in den Förderungskatalog der Deutschen Reichsbahn aufgenommen. Diese Lokomotiven sollten die bis dahin verwendeten alten Kleinloks und Dampfloks auf Unterwegsbahnhöfen ersetzen. Die LKM Babelsberg stellte 1956 die neue 75 kW (100 PS)-Lokomotive mit mechanischer Kraftübertragung, hochliegendem und geschlossenem Führerstand vor. Die Kleinlok bekam die Bezeichnung V 10B und hatte Radsätze mit 900 Millimeter Durchmesser. Sie war für den Betrieb auf Werk- und Anschlussbahnen vorgesehen. Die Lok entsprach jedoch nicht den Vorstellungen der DR und forderte noch Veränderungen dieser Maschinen.

Details zur Diesellok BR V 22


  • Hersteller: LKM Babelsberg
  • Gesamtlänge: 6940 mm
  • Nummerierung: DR-Baureihe V 15, V 23 DR-Baureihe 101, 102.0 DB-Baureihe 311, 312.0
  • Gewicht: 20.0 - 24.0 t
  • Baujahre: 1958 - 1976
  • Höchstgeschwindigkeit: V 15: 35 km/h, V 23: 42 km/h
  • Ausmusterung: ab 1992
  • Tankinhalt: 350 l, 400 l Diesel
  • Motorentyp: MWJ 6 KVD 18 SRW ER 6 VD 18/15-1 SRW
  • Anzahl: n.A.
  • Leistung: 110–162 kW 150–220 PS
  • Bremse: K- GP m. Z.
  • Antrieb: dieselhydraulisch
  • Achsformel: B

Die Enstehung der Diesellok BR V 22 / V 23

Im Jahre 1966 entwickelte die LKM Babelsberg eine Lokomotive mit der Werksbezeichnung V 22 B, die auf der Grundkonzeption des Vorgängermodells basierte. Die Maschinen wurden mit einem stärkeren Getriebe und einem völlig neu konstruiertem 162 kW (220 PS)-Baukastenmotor ausgestattet. Ab 1967 wurden die neuen Lokomotiven an die Werk- und Anschluussbahnen ausgeliefert. 1968 wurde die erste als V 23 001 bezeichnete Lok der neuen Bauart von der DR in Dienst gestellt. Bis 1970 wurden weitere 79 Lokomotiven beschafft. Weitere Dieselloks dieser Bauart beschaffte die DR jedoch nicht mehr, da ab 1970 die neu entwickelte Baureihe 102.1 produziert und in den Bestand gestellt wurde. Weitere wurden noch bis 1976 gefertigt. Bei den leistungsschwächeren V 15 wurden die verschliessenen Dieselmotoren im Zuge des Umbauprogramms ab 1975 durch das 220-PS-Aggregat erstetzt. Hinzu kam eine verbessertes Zweiwandler-Strömungsgetriebe GSU 20/4,2 eingebaut. Die Umbauten erfolgten im RAW Halle/Saale. Die modifizierten Loks wurden als Unterbaureihe V 23.0 und damit als 101.5-7 eingegliedert. Die Nummerierung erfolgte hier nach Reihenfolge des Umbaus.

Technische Merkmale der Diesellok BR V 22

» geschweißter Blechrahmen aus 20 mm starken Blechen
» Rahmenblech mit Durchlässen für Dieselmotor und Getriebe
» verstärkte Kopfpartie mit normalen UIC-Zug- und Stoßvorrichtung
» der Fahrzeugrahmen stützt sich durch Blattfedern und Federspannschrauben auf die beiden Radsätze ab
» im Vorbau befinden sich: Kühler, Dieselmotor, Luftverdichter, Kraftstoffbehälter, Sandkästen und Abgasschalldämpfer
» die Luftbehälter sind rechts und links verbaut
» die Batteriekästen befinden sich hinter den vorderen Rangiertritten
» bei BR 102.0 wurde ein ölbeheiztes Vorwärmegerät (Kasten links unter dem Führerstand) verbaut
» Motor der ersten Serie: 6 KVD 18 SRW (110 kW) bis zur V 15 1020
» ab 1960 leistungsgesteigert mit 132 kW und Zweistufenregler
» eingesetzter Motor ab 1966: 6 VD 18/15-1 SRW 1 (19-Liter-Sechszylinder-Vorkammerreihenmotor ohne Aufladung) 220 PS (162 kW),
bei 1510/min mit Bohrung 150 mm und 180 mm Hub und einem Vorstellregler
» drehelastische Kupplung mit kurzer Gelenkwelle zum Antrieb des Strömungsgetriebes GSR 12/3,7 (Wandler und zwei Kupplungen)
» später Zweiwandlungsgetrieb GSU 20/4,5 mit Anfahrwandler (16 km/h) und Marschwandler (für 16 – 40 km/h) verbaut,
Umschaltung erfolgte, abhängig von Fahrgeschwindigkeit selbsttätig
» das Wendegetriebe treibt die Blindwelle direkt an, übeträgt das Drehmoment über Kuppelstangen auf die beiden Radsätze
» der Motor ist über einen Riehmentrieb direkt mit dem Kühlerlüfter, dem Luftverdichter und der Lichtmaschine verbunden
» verbaut ist eine selbsttätige Einkammer Druckluftbremse der Bauart Knorr und eine nichtselbsttätige, direktwirkende Zusatzbremse mit Zusatzbremsventilen
die Radsätze werden einseitig von vorn gebremst, die mechanische Handbremse wirkt auf das Gestänge der Druckluftbremse
» die Elektronik: 24-Volt-Elektroanlage (versorgt durch Gleichstromlichtmaschine und Bleiakkumulatoren)
» die Dieselmotoren werden elektrisch mit einem 15 PS-Anlasser gestartet
» weitere Ausstattung: Sicherheitsfahrschaltung und Rangierfunk

Eine Besonderheit bei der Baureihe V 23 war die elektropneumatische Vielfachsteuerung. Damit konnten zwei Lokomtiven elektrisch gekuppelt und von einem Führerstand aus gesteuert werden. Die Übertragung der Schalt- und Fahrbefehle erfolgte elektrisch, die Betätigung der Aggregate pneumatisch. Weiterhin besaßen die Maschinen eine Hauptluftbehälterleitung und eine automatische Überwachung der Dieselmotoren.

Einsatzgebiete der Diesellok BR V 22

Zum Einsatz kamen die Lokomtiven auf dem gesamten Streckennetz der Deuschen Reichsbahn. Besonders im leichten Rangierdienst und auf kleinen Unterwegsbahnhöfen, bei Gleis- und Instandhaltungsbetrieben wurden die Maschinen eingesetzt. Der Großteil der Lokomotiven der Bauart wurden an Werk- und Anschlussbahnen geliefert. Im RAW Halle/Saale und in den Heimatdienststellen erfolgten die Instandhaltungen. Ein weiterer Instandhaltungsbetrieb befand sich in Tharandt. In diesem wurden hauptsächlich Werklokomotiven aufgearbeitet.

Ab 1992 wurden die V 23 als Baureihe 311 eingereiht. Die DB-Baurehe 102 wurde zur Baureihe 312 umgezeichnet. Die 311.0 sind Vorserienmaschinen mit 110 kW. Die 24 311.1 hatten eine Leistung von 132kW und die Maschinen der Baureihe 311.5 hatten eine Leistung von 162 kW. Die Baureihe 312 (über 200 Loks) waren wesentlich moderner und unterschieden sich deutlich von der Baureihe 311.

Viele der Lokomotiven wurden mittlerweile ausgemustert, verschrottet oder an andere Betreiber veräußert. Andere Maschinen blieben als Geräte- oder Bahndienstlokomotiven erhalten. Eine relativ große Anzahl der Lokomotiven sind bei Werkbahnen, Eisenbahnvereinen oder Eisenbahnmuseen anzutreffen. Seit Juni 2017 ziert eine Diesellok BR V 22 den, als PIKO-Kreisel bezeichneten, Kreisverkehr an der Zufahrt zum Werksgelände der PIKO Spielwaren GmbH.